An einem lauen Sommerabend funkt es auf einem New Yorker Hausdach zwischen der aufstrebenden Cellistin Lyla Novacek (Keri Russell) und dem coolen Rockgitarristen Louis Connelly (Jonathan Rhys Meyers). Nach nur einer Nacht werden die beiden getrennt, der gemeinsame Sohn Evan wird von Lylas ehrgeizigem Vater heimlich zur Adoption freigegeben. Elf Jahre später macht sich Evan (Freddie Highmore) auf die Suche nach seinen Eltern.
Seine einzige Spur: die Musik. August Rush oder Der Klang des Herzens, wie der mit der üblichen Einfallslosigkeit geänderte deutsche Titel lautet, als kitschig zu bezeichnen, wäre noch untertrieben. Dieser Film ist so sehr mit Zuckerguß überzogen, dass man schon beim bloßen Zusehen Diabetes bekommt. Aber das macht eigentlich nichts. Denn: Es ist ja Weihnachten, und da ist Kitsch erlaubt. Generell ist ja gegen Kitsch nichts einzuwenden, wenn er ordentlich umgesetzt ist. Aber leider lässt das Drehbuch einiges zu wünschen übrig: Es ist einfach schlampig konstruiert, erzählt vieles nur an und lässt Fragen offen. Ein kompletter Fehlschlag ist Der Klang des Herzens trotzdem nicht. In der einen oder anderen Szene kann man den ganzen Kitsch ganz gut ignorieren und sich von der Geschichte berühren lassen. Wie etwa, wenn Louis Evan beim Straßenmusizieren trifft und die beiden spontan ein paar Takte auf ihren Gitarren zusammen improvisieren, ohne zu wissen, dass sie Vater und Sohn sind. Auch die Schlussszene im Central Park lässt dann doch einige ungewollte Tränen fließen. Das (komplett vorhersehbare) Ende überrascht mit dem Mut zu einem eleganten filmischen Schlussstrich, dem man diesem Film nicht so ohne weiteres zugetraut hätte. Die Musik als zentrales Thema des Films schlägt sich im Soundtrack positiv nieder. Wunderschön zum Beispiel die Zusammenschnitte von Lylas Cello und Louis’ Rockband. Also, dies ist ein nicht perfekt umgesetzter Liebesfilm mit hohem Kitschfaktor. Aber nicht vergessen, Leute: Es ist Weihnachten! Bewertung: 6/10. Der Klang des Herzens (August Rush). Liebesfilm, USA 2007. Regie: Kirsten Sheridan. Drehbuch: Nick Castle & Paul Castro. Mit: Freddie Highmore, Keri Russell, Jonathan Rhys Meyers, Robin Williams. Verleih: Tobis. 114 Minuten. Sarah Boehlau